Ansätze für die Prävention „Altern in Gesundheit“

Ansätze für die Prävention „Altern in Gesundheit“

Die vielen älter werdenden Menschen bis ins hohe Alter gesund, selbstständig und aktiv zu erhalten, stellt ein hohes Ziel für die Gesellschaft und Politik dar. Eine systematisch geplante Gesundheitsförderung und Gesundheitsvorsorge während der gesamten Lebensspanne spielt dabei eine zentrale Rolle.

 

Bei den Senioren als Zielgruppe soll der Präventionsbegriff weit gefasst werden. Im Mittelpunkt steht, neben der Vorbeugung von Erkrankungen vor allem, Verschlechterungen des Gesundheitszustandes zu vermeiden. Die präventiven Maßnahmen müssen systematisch geplant, durchgeführt und evaluiert werden, um den unterschiedlichen Altersverläufen und Lebensumständen im Alter gerecht zu werden.21 Den Senioren selbst sollte dabei eine aktive Rolle zugewiesen werden.


Aktiv bis ins hohe Alter

Bildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten können zusammen mit körperlicher Betätigung die Gesundheit, das Selbstwertgefühl und die Unabhängigkeit älterer Menschen sowie ihren aktiven Beitrag zum Gesellschaftsleben erhöhen. Innovative Programme zur Bewahrung der Körperkraft, zur Vermeidung von Mangelernährung und zur Korrektur von Seh- und Hörschäden sowie Bewegungseinschränkungen, bevor diese zur Abhängigkeit führen, sind ein besonders wichtiger Aspekt. Gesundheits- und Sozialdienste auf Gemeindeebene sollen häusliche Dienste zur Unterstützung alter Menschen im Alltagsleben sicherstellen und die Erfordernisse und Wünsche alter Menschen in Bezug auf die Wohnunterkunft, das Einkommen und andere Faktoren, die ihre Autonomie und soziale Produktivität verbessern, stärker berücksichtigen.18

Die Prävention im Alter erfährt seit einigen Jahren größere Aufmerksamkeit, dabei findet der Wandel der Altersbilder vermehrt Beachtung. Bereits 1968 wurde festgestellt, dass Altern „kein Zustand [ist], der schicksalmäßig mit Leiden, Frühinvalidierung und Krankheit verbunden sein muss“.19 In den 1970er Jahren erweitert sich die Perspektive um ­sozioökonomische Faktoren. Das Alter als eigenständiger ­Faktor der Gefährdung verliert an Gewicht, stattdessen werden zunehmend die Differenzen zwischen dem kalendarischen und dem biologischen Alter abgewogen.19

Aktuelle Studien vermitteln ein eher aktives Bild von ­älteren Menschen, die einerseits zwar Wissensdefizite hinsichtlich ihrer eigenen Erkrankung aufweisen, andererseits aber durchaus Interesse an der Beseitigung dieser Defizite haben. Altersbilder werden dabei in einigen neueren Beiträgen explizit angesprochen; gefordert wird hier ein Umdenken in Bezug auf das Alter(n) und ältere Menschen von der Gesellschaft im Ganzen und speziell auch von den älteren Menschen selbst.19

Von Seiten des Hessischen Sozialministeriums wurden in Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern im vergangenem Jahr (2010) einige Projekte ins Leben gerufen:

  • Das Projekt „ Gesund Leben – Gesund Bleiben im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie Hessen mit dem Ziel, u. a. einen integralen und nachhaltigen Gesundheitsförderungsplan für Hessen zu entwickeln. Dieser Gesundheitsförderungsplan stellt den Erhalt der Gesundheit in den Mittelpunkt seines Anliegens und versteht sich als Investition in die Gesundheit der Menschen in allen Lebensphasen und Lebenswelten.


Um das Thema „Gesund und aktiv älter werden“ ging es am 27. Januar 2011 im Frankfurter Haus am Dom bei einer Landeskonferenz mit dem Titel „Altersbilder im Wandel – Herausforderungen für die Gesundheitsförderung“. Ziel der Veranstaltung war es, anhand von Modellprojekten Lösungsansätze für das Land und die Kommune aufzuzeigen und die Akteure stärker zu vernetzen. Rund 150 Experten aus Praxis und Wissenschaft sowie Beschäftigte und Interessierte aus den Bereichen Senioren, Gesundheit, Soziales, Bildung und bürgerschaftliches Engagement nahmen daran teil.

 

Logos Altersbilder im Wandel
Herausforderungen für die Gesundheitsförderung – Erste Landeskonferenz zum Thema „Gesund Altern“


Die Landeskonferenz bildete die Auftaktveranstaltung im Rahmen des Projekts „Gesund Leben – Gesund Bleiben“ der Nachhaltigkeitsstrategie Hessen. Veranstalter waren die HAGE – Hessische Arbeitsgemeinschaft für Gesundheitserziehung e. V. in Kooperation mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und dem Hessischen Sozialministerium.

Die ausführliche Dokumentation der Landeskonferenz finden sie unter:
www.gesund-in-hessen.info

 

Im Jahr 2030 wird fast ein Drittel der deutschen Bevölkerung 65 Jahre und älter sein – in Hessen leben schon heute 1,2 Mio. Bürgerinnen und Bürger in dieser Lebensphase. Dieses sich verändernde Bevölkerungsbild stellt sowohl an das Gemeinwesen als auch an das Gesundheitssystem neue Anforderungen. Umso wichtiger ist es, sich schon heute mit dem Thema auseinanderzusetzen und beispielsweise der Frage nachzugehen, wie ältere Menschen in Zukunft mit Maßnahmen der Gesundheitsförderung und Prävention zu erreichen sind.

Krankheiten und Lebensstil

Eine optimale Prävention und Gesundheitsvorsorge muss für viele dieser Erkrankungen, die sich oft über Jahre hinweg entwickeln, weit vor Beginn des Pensionsalters ansetzen. „Gesundheit baut sich nicht im Lauf des Lebens, des Älterwerdens, ab; doch Gesundheit ist nur dort vorhanden, wo sie jeden Augenblick des Lebens neu erzeugt wird.“20 Prävention und gesundheitsfördernde Lebensstile sollen für alle Bürgerinnen und Bürger zur selbstverständlichen Norm werden.

Die häufigsten Erkrankungen im Alter (Kardiovaskuläre Erkrankungen, Stoffwechselerkrankungen (Diabetes-mellitus-Typ-2), Erkrankungen der Wirbelsäule, Osteoporose) sind größtenteils durch den Lebensstil beeinflussbar. Die Erkrankungen selbst sowie die Komplikationen, die sie mit sich bringen, sind v. a. durch gesunde Ernährung und körperliche Aktivitäten, insbesondere der Vermeidung von Übergewicht und Adipositas, in ihrem Verlauf zu mildern oder gar zu verhindern. Ausreichende Bewegung und gesunde Ernährung nehmen für die Fitness bis ins hohe Alter eine besondere Bedeutung ein und darauf sollte auch der Fokus einer gesundheitspolitischen Strategie ausgerichtet sein.

 

Hessische  Projekte zum Thema gesunde Ernährung im Alter sind zum Beispiel:

Bewegung im Alter

Gleichzeitig wurden mehrere Projekte initiiert, die Bewegung im Alltag auch für ältere Menschen fördern, denn Jahr für Jahr ereignen sich in Deutschland insgesamt etwa vier bis fünf Millionen Stürze. Besonders häufig trifft es ältere Menschen: Es wird geschätzt, dass etwa ein Drittel der Menschen über 65 Jahren mindestens einmal pro Jahr hinfällt. Viele Stürze haben schlimme Folgen: Mehr als 120.000 ältere Menschen brechen sich dabei den Oberschenkel oder die Hüfte. Die Mobilität der Betroffenen ist danach deutlich eingeschränkt, die selbstständige Bewältigung des Alltags oft nur noch mit großen Einschränkungen möglich. Außerdem werden die Menschen unsicher, sie trauen sich immer weniger zu und ziehen sich sozial zurück. Experten schätzen, dass die Kosten von Stürzen bundesweit insgesamt bei etwa 1 Mrd. Euro liegen. In 80 % aller Fälle ist die Sturzursache darin begründet, dass aufgrund von Bewegungsmangel die Gleichgewichtsfähigkeit und die Muskelkraft im fortgeschrittenen Alter nachlassen. Es konnte wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass ein kombiniertes Gleichgewichts- und Krafttraining das Sturzrisiko um bis zu 50 % reduziert.

Projekte, die die Bewegung fördern sind zum Beispiel:

 

 


  1. Vgl. Weltgesundheitsorganisation (WHO) Gesundheit 21 – Gesundheit für alle im 21. Jahrhundert Weltgesundheitsorganisation Regionalbüro für Europa, Kopenhagen, 1999.
  2. Deutscher Bundestag, Sechster Bericht zur Lage der älteren Generation in der Bundesrepublik Deutschland (2010): Altersbilder in der Gesellschaft.
  3. Victor v. Weizsäcker, vgl: Präsentation Fr. Dr. Ursula Lehr bei der 1. Landeskonferenz Hessen am 27.01.2011.
  4. Vgl. Robert Koch-Institut (RKI) (2009): Gesundheitsberichterstattung des Bundes „Gesundheit und Krankheit im Alter“.

 

 

 


Termine, Querverweise und Links


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