Senioren in Hessen

Senioren in Hessen

SeniorenDurch den demografischen Wandel entwickeln wir uns immer mehr zu einer Gesellschaft des langen Lebens. Immer mehr ältere Menschen stehen immer weniger jungen gegenüber.

Wie auch andere europäische Länder erlebt Deutschland und somit auch Hessen einen Prozess „doppelter demografischer Alterung“: Sowohl die absolute Zahl älterer Menschen als auch deren Anteil nimmt zu. Die absolute Zahl älterer Menschen steigt aufgrund der steigenden Lebenserwartung, was durch den medizinischen Fortschritt und sich positiv entwickelnde gesellschaftlich-ökologische Rahmenbedingungen erklärt werden kann. Gleichzeitig nimmt aber auch der Anteil älterer Menschen als Folge eines Geburtenrückgangs zu. Ausgelöst wird dieser Prozess durch geburtenstarke Jahrgänge („Babyboom-Generation“), die weniger Kinder zur Welt brachten als ihre Eltern, aber länger leben werden. 2012 werden erstmals mehr Rentner als Arbeitnehmer in Europa leben. Passend hierzu wurde das Jahr 2012 vom EU-Parlament zum „Europäischen Jahr für aktives Altern und die Solidarität der Generationen – Vitalität erhalten und die Würde aller achten“ ausgerufen. Die Leitidee des Europäischen Parlaments ist, eine nachhaltige Kultur des Alterns zu etablieren.

Heute leben rund 1,2 Mio. über 65-Jährige in Hessen. Das entspricht 20 % der Bevölkerung. Der Anteil dieser Altersgruppe wächst. Schätzungen zufolge werden es im Jahr 2060 bis 34 % sein.1

In den vergangenen Jahrzehnten konnte der kontinuierliche Anstieg der Lebenserwartung beobachtet werden. Die gestiegene Lebenserwartung führt dazu, dass die Lebensphase Alter mittlerweile oftmals mehrere Jahrzehnte umfasst. So hat zurzeit eine in Hessen lebende 65-jährige Frau im Durchschnitt 20,5 Lebensjahre vor sich und der 65-jährige Mann 17,5 Lebensjahre, Tendenz steigend.2

Ziel ist nicht allein, ein hohes Lebensalter zu ­erreichen, sondern auch gesund älter zu werden und die zusätzlichen Lebensjahre mit möglichst hoher Lebensqualität ­ zu genießen.

Ein hohes Alter in guter Gesundheit zu erreichen, ist ein hohes individuelles und gesellschaftliches Ziel. Gesundheit wird im Verlauf des Lebens von verschiedenen ­Faktoren, wie Lebensstil, Gesundheitsverhalten, Lebenssituation, sozialer Status, medizinische und pflegerische Versorgung sowie gesellschaftliche Rahmenbedingungen beeinflusst. So steht der demografischen Alterung gleichzeitig eine soziokulturelle „Verjüngung“ der älteren Menschen gegenüber:3

  • Heutige Generationen älterer Menschen weisen vielfach ein «jüngeres Verhalten» auf als frühere Generationen. Viele Aktivitäten, die früher nur jüngeren Erwachsenen zugetraut wurden, werden heute von älteren Menschen ausgeübt.
  • Mobilität und Reiselust älterer Menschen haben stark zugenommen. Sportliche Aktivitäten gehören zum „erfolgreichen Alter“ – mehr ältere Menschen trauen sich heute, Leistungssport zu betreiben. Selbst Sexualität im Alter, lange Zeit tabuisiert, wird offener diskutiert und praktiziert.
  • Lernen im Alter, was lange Zeit als unmöglich oder unnötig erachtet wurde, gilt heute als Voraussetzung für erfolgreiches Altern. Heutige Rentner sind deutlich besser ausgebildet als frühere Rentnergenerationen. Zukünftige Rentner werden auch mit modernen Kommunikationstechnologien noch vertrauter umgehen als viele Menschen der heutigen Rentnergeneration.
  • Studienergebnisse weisen nach, dass zwar nicht alle, aber doch mehr ältere Menschen als früher sozial gut integriert sind und eine hohe Lebenszufriedenheit aufweisen.

 

Eine zentrale Ursache für diese Entwicklung ist die Tatsache, dass die neuen Rentnergenerationen schon seit ihrer Jugend mit einer aktiven und leistungsorientierten Kultur konfrontiert wurden. Die neuen Rentnergenerationen sind somit die ersten Generationen älterer Menschen, die ­erfolgreich gelernt haben, bis ins spätere Leben relativ «jugendlich» zu bleiben.

So hat sich auch die Gesundheit vieler älterer Menschen verbessert; eine Entwicklung, die eng mit der wirtschaftlichen Wohlstandsentwicklung und einer besseren sozialpolitischen Absicherung des Alters verbunden ist. Damit können mehr Frauen und Männer von einem langen gesunden Rentenalter profitieren. Dabei sind die Seniorinnen und Senioren in Hessen keine homogene Gruppe. Sie sind so unterschiedlich, wie ihre zugrunde liegenden Lebensgeschichten.

Dennoch ist mit fortschreitendem Alter ein deutlicher Anstieg der Gesundheitsprobleme zu beobachten sowohl hinsichtlich der Anzahl erkrankter Personen als auch bezüglich der Komplexität der vorliegenden Beeinträchtigungen.


Je älter jemand ist, umso weniger sagt die Anzahl der Lebensjahre etwas über die Fertigkeiten und Fähigkeiten eines Menschen aus. Oft ergibt sich keine Übereinstimmung zwischen chronologischem und biologischem Alter. Sinnvoller ist eine zusätzliche Differenzierung aufgrund der körperlichen und geistig-seelischen Funktionen in:

  • Unabhängig lebende Senioren
  • Hilfsbedürftige Senioren
  • Pflegebedürftige Senioren


Im Folgenden werden die Daten zur Lebenssituation und gesundheitlichen Lage von Menschen, die in Hessen ­leben und 65 Jahre und älter sind, dargestellt. Die Analysen stützen sich dabei auf Daten der hessischen und deutschen statistischen Ämter, Krankenkassendaten sowie der ­Gesundheits- und Altersberichterstattung der Länder und des Bundes.

 

 


  1. Vgl. Hessisches Statistisches Landesamt, Wiesbaden, 2010.
  2. Vgl. Gesundheitsberichterstattung des Bundes (www.gbe-bund.de.).
  3. Höpflinger, F. (2005): Alternde Gesellschaft – verjungte Senioren. Neue Zürcher Zeitung Online (www.nzz.ch/2005/09/27/ky/articleD1WLW.html) Abruf 22.12.2010.

 

 

 


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