Determinanten der Kinder- und Jugendgesundheit
Bei der Beschreibung der Kinder- und Jugendgesundheit stehen nicht nur die manifesten körperlichen Erkrankungen im Zentrum, sondern vielmehr auch das Gesundheitsverhalten des Individuums und seiner Lebensumwelt wie auch andere Einflüsse dieser Lebensumwelt. Im Sinne der „Salutogenese“ nach Antonofsky – der Frage, was den Mensch gesund hält – sind verschiedene Elemente für ein der Gesundheit zuträgliches Leben erforderlich:
Determinanten der Gesundheit nach Antonofsky:
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Als Kohärenzsinn wird die Erfahrung einer Lebensumgebung beschrieben, die vom Menschen als verständlich und stimmig gesehen wird und deren Belastungen und Probleme für ihn lösbar sind.
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Individuelle Ressourcen sind körperliche und geistige Fähigkeiten, das Selbstvertrauen sowie die Motivation, diese einzusetzen, um Ziele zu erreichen.
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Soziale Ressourcen erfassen das soziale Netzwerk des Menschen hinsichtlich elementarer und gesundheitsrelevanter Eigenschaften: Vertrauen, Anerkennung, gemeinsame Zielerreichung und auch Unterstützung und Hilfe werden in der Gemeinschaft erlernt und erfahren.
Die Basis der lebenslangen „Salutogenese“ liegt in der Kinder- und Jugendzeit. Die Erfahrung des Ich, des eigenen Körpers, der sozialen und weiteren Lebensumwelt beginnt dort und kann Einstellungen und Verhaltensweisen für das gesamte weitere Leben maßgeblich prägen. Kinder- und Jugendliche leben in Abhängigkeit vom Elternhaus. Das familiäre Umfeld bestimmt die gesundheitsbezogene Lebenssituation in den ersten Jahren nahezu vollständig und bleibt auch in der Kindergarten- und Schulzeit relevant. Der Besuch der Kindertagesstätte spielt in diesem Alter eine bedeutsame Rolle und kann zur positiven Einstellung gegenüber gesundheitsbewusstem Lebensstil viel beitragen, insbesondere durch entsprechende pädagogische Konzepte der Einrichtung, wie der Umsetzung des Hessischen Bildungs- und Erziehungsplans. Neben den Institutionen der Kinderbetreuung und Bildung sind Gruppen gleichaltriger Kinder oder Jugendlicher (Peergroups) prägend.
Der Aufbau individueller und sozialer Ressourcen bei Kindern und Jugendlichen wird gefördert durch:
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verlässliche familiäre Rahmenbedingungen
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Zuwendung
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Vorhandensein eines lokalen sozialen Umfelds
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verlässliche, außerfamiliäre Kinderbetreuung
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Förderung von Fähigkeiten und Interessen
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ausreichende materielle Ressourcen zur sozialen Teilhabe
Gesundheitliche Verhaltensweisen bei Kindern und Jugendlichen werden gefördert durch:
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Vorbild der Eltern und Erzieher/Innen
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Gesundheitsfördernde Angebote und Maßnahmen in und für die Familie, Kindertagesstätten, Schulen
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„Gesundheitliche Aufklärung“ – Erwerb gesundheitlichen Wissens von Eltern, Erziehern, Peergroups, Medien
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Sportliche und soziale Aktivitäten in der Familie oder in Vereinen
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Lokale Spiel- und Sportmöglichkeiten
Umweltbezogene Gesundheitsgefährdungen bei Kindern und Jugendlichen entstehen durch:
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Schadstoffimmissionen (auch: Passivrauchen), Lärm
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Mobilität im Straßenverkehr
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ein nachteiliges soziales Umfeld mit Angst- oder Gewalterfahrungen, Alkoholismus oder anderem Drogenmissbrauch
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ungesunde „Geschmacksbildung“ (Beispiele: Bei Kindern und Jugendlichen beworbene Nahrungsmittel mit hohem Zucker- oder Fettanteil; Setzen unerreichbarer Schönheitsideale durch massive Nachbearbeitung von Mode-, Werbe- und Starfotografie)
Die Listen der aufgeführten Determinanten sind nicht abschließend. Zusammenfassend brauchen Kinder und Jugendliche ein gesundheitsförderliches direktes Lebensumfeld und Freiraum, um sich, die Gesellschaft und die Lebensumwelt kennenzulernen und einen Platz in ihr einzunehmen.
Diese Rahmenbedingungen sind leider nicht für alle Kinder vorhanden. Wir leben in einer flexiblen und mobilen Gesellschaft mit Verdichtungsprozessen in Teilen der Arbeitswelt. Der Zusammenhalt von Ehe und Familie hat sich verringert wie auch die Möglichkeiten des Einsatzes der erweiterten Familie (Großeltern) und Verwandtschaft in der Kinderbetreuung. Es treten Gemengelagen problematischer Faktoren auf. Für Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund stellt beispielsweise das Beherrschen der deutschen Sprache eine Schlüsselqualifikation dar. Wenn in der Familie niemand gut deutsch spricht, sind viele Determinanten der Kinder- und Jugendgesundheit direkt oder indirekt berührt. Auch Kinder und Jugendliche mit allein erziehenden Elternteilen können besonderen Belastungen beispielsweise durch die Trennung, durch soziale oder finanzielle Konsequenzen der Trennung und Lebenssituation oder Überforderung des erziehenden Elternteils ausgesetzt sein. Materielle Ressourcen können dazu beitragen, ein der Gesundheit förderliches Lebensumfeld zu schaffen. Viele gesundheitsrelevante Aspekte sind jedoch nicht daran gebunden. Eltern, die Ihren Kindern Zuwendung, Förderung, Wissen und Perspektiven anbieten und mit ihnen einen gesundheitsförderlichen Lebensstil pflegen, gibt es in allen Gesellschaftsschichten.