Pflegebedürftigkeit der Bevölkerung

Pflegebedürftigkeit der Bevölkerung

Abb. 118_ Die Pflegebedürftigkeit nimmt mit höherem Alter zu
Quelle: Hessisches Sozialministerium, Hessen Agentur.

Für Hessen wurden 2009 fast 187.000 Pflegebedürftige verzeichnet, davon ein Drittel (bzw. knapp 62.000) Männer und zwei Drittel (knapp 125.000) Frauen. Damit sind rund 3 % der Bevölkerung insgesamt zu den Pflegebedürftigen zu rechnen. Hessenweit sind davon 35 % 85 Jahre und älter, 68 % sind über 75 Jahre und 83 % der pflegebedürftigen Personen entfallen auf die Altersgruppe 65 Jahre und älter. 17 % der Pflegebedürftigen sind jünger als 65 Jahre alt. (Abb. 118)

Der Anteil der Pflegebedürftigen bei den Frauen ist in allen diesen Altersgruppen höher als die entsprechende Quote bei den Männern. Dies ist unter anderem auch durch die längere Lebenserwartung bzw. den daraus entstehenden Frauenüberhang in den hohen Altersstufen erklärbar, außerdem kann es auch durch eine höhere Häufigkeit des Alleinlebens oder ein anderes Antragsverhalten mitbedingt sein.3 (Tab. 31)

 

Tab. 31: Leistungsempfänger/innen in Hessen nach Geschlecht, Alter und Art der Leistungen (2009)
Geschlecht /Alter insgesamt* Anteil an der
Bevölkerung**
ambulante Pflege* stationäre Pflege* Pflegegeld****
        insgesamt darunter: vollstationäre
Dauerpflege***
 
männlich 61.926 2,1 % 13.046 11.620 11.225 37.260
im Alter von 65
und mehr Jahren
45.955 8,7 % 11.039 9.882 9.546 25.034
im Alter von 75
und mehr Jahren
32.956 16,3 % 8.595 7.240 6.982 17.121
im Alter von 85
und mehr Jahren
12.574 30,3 % 3.577 3.313 3.209 5.684
weiblich 124.967 4,0 % 27.394 34.766 33.884 62.807
im Alter von 65
und mehr Jahren
108.954 15,9 % 25.234 33.454 32.622 50.266
im Alter von 75
und mehr Jahren
94.068 28,4 % 22.081 30.563 29.811 41.424
im Alter von 85
und mehr Jahren
52.895 51,1 % 12.269 19.971 19.533 20.655
insgesamt 186.893 3,1 % 40.440 46.386 45.109 100.067
im Alter von 65
und mehr Jahren
154.909 12,7 % 36.273 43.336 42.168 75.300
im Alter von 75
und mehr Jahren
127.024 23,8 % 30.676 37.803 36.793 58.545
im Alter von 85
und mehr Jahren
65.469 45,2 % 15.846 23.284 22.742 26.339

Legende: * am 15. Dezember des Jahres ** am 31. Dezember des Jahres *** 1.277 Leistungsempfänger/innen im Rahmen von Kurzzeitpflege **** am 31. Dezember des Jahres, Ohne Empfänger/innen von Pflegegeld, die zusätzlich auch ambulante Pflege erhalten und dort bereits berücksichtigt sind. Quelle: Hessisches Statistisches Landesamt, Hessen. Agentur.

 

Die Zahl der Leistungsempfängerinnen und Leistungsempfänger in Hessen hat sich in den letzten 10 Jahren um mehr als ein Viertel erhöht – von rund 145.000 Personen 1999 auf 187.000 Personen 2009. Der Anteil der Pflegebedürftigen stieg damit von 2,4 % im Jahr 1999 auf 3,1 % 2009. Die demografische Entwicklung dürfte hierzu beigetragen haben: Der Anteil der Einwohnerinnen und Einwohner im Alter von 65 Jahren und mehr an der Bevölkerung nahm in diesem Zeitraum ebenfalls zu, nämlich von 16,2 % im Jahr 1999 auf 20,1 % im Jahr 2009.

Dementsprechend sind auch die absoluten Zahlen der Betreuten in den Pflegeeinrichtungen gestiegen. Gleichzeitig hat sich der Anteil der vollstationären Dauerpflege an Pflegebedürftigen leicht reduziert (von 24,9 % 1999 auf 24,1 % 2009), während der Anteil der in Pflegestufe I Betreuten tendenziell zugenommen hat.

Wie auch bei den Pflegeeinrichtungen variiert der Anteil der Pflegebedürftigen regional. So fällt dieser für Nord- und Mittelhessen in der Regel höher aus als für die meisten Regionen Südhessens. Den höchsten Anteil Pflegebedürftiger an der Bevölkerung insgesamt wies im Jahr 2009 der Werra-Meißner-Kreis auf, den niedrigsten Anteil der Main-Taunus-Kreis.

 

Auch der Anteil der beziehenden Personen vollstationärer Dauerpflege und somit auch die Auslastung der vollstationären Dauerpflege unterscheiden sich in den Regionen. So war der Anteil der vollstationären Dauerpflege an den Pflegebedürftigen im Odenwaldkreis am höchsten und in der Stadt Offenbach am geringsten. Der Auslastungsgrad der vollstationären Dauerpflege wiederum war in der Stadt Offenbach am höchsten und im Kreis Waldeck-Frankenberg am niedrigsten. Die regionalen Divergenzen dürften von verschiedenen Einflussgrößen, z. B. Verstädterung, soziostrukturelle Merkmale oder regionale Konzentration von Pflegeeinrichtungen, abhängen.4 (Tab. 32)

 

Tab. 32 a): Leistungsempfänger/innen in den hessischen Verwaltungsbezirken (2009)
  Pflegebedürftige*
Region insgesamt im Alter Dauerpflege
von 65
und mehr
Jahren
im Alter
von 75
und mehr
Jahren
im Alter
von 85
und mehr
Jahren
Darmstadt, St. 3.800 3.162 2.717 1.635
Frankfurt am Main, St. 16.772 13.513 10.846 5.827
Offenbach am Main, St. 3.056 2.360 1.868 939
Wiesbaden, St. 6.935 5.804 4.821 2.686
Bergstraße 8.751 7.192 5.921 2.883
Darmstadt-Dieburg 6.595 5.420 4.537 2.353
Groß-Gerau 6.705 5.515 4.426 2.279
Hochtaunuskreis 6.421 5.541 4.714 2.774
Main-Kinzig-Kreis 12.486 10.246 8.304 4.172
Main-Taunus-Kreis 4.955 4.095 3.365 1.788
Odenwaldkreis 3.330 2.828 2.300 1.129
Offenbach 8.044 6.741 5.494 2.866
Rheingau-Taunus-Kreis 4.831 4.127 3.436 1.825
Wetteraukreis 9.303 7.752 6.348 3.251
Reg.-Bez. Darmstadt 101.984 84.296 69.097 36.407
Gießen 7.934 6.454 5.352 2.676
Lahn-Dill-Kreis 8.941 7.288 5.903 2.820
Limburg-Weilburg 5.839 4.930 4.074 1.982
Marburg-Biedenkopf 8.598 6.975 5.685 2.805
Vogelsbergkreis 4.588 3.830 3.159 1.517
Reg.-Bez. Gießen 35.900 29.477 24.173 11.800
Kassel, St. 7.610 6.235 5.034 2.794
Fulda 7.960 6.705 5.600 2.960
Hersfeld-Rotenburg 5.333 4.521 3.723 1.755
Kassel 9.060 7.712

6.345

3.285
Schwalm-Eder-Kreis 8.093 6.736 5.464 2.682
Waldeck-Frankenberg 5.784 4.767 3.960 2.030
Werra-Meißner-Kreis 5.169 4.460 3.628 1.756
Reg.-Bez. Kassel 49.009 41.136 33.754 17.262
Land Hessen 186.893 154.909 127.024 65.469

* am 15. Dezember des Jahres ** am 31. Dezember des Jahres Quelle: Hessisches Statistisches Landesamt, Hessen Agentur.

 

Tab. 32 b): Leistungsempfänger/innen in den hessischen Verwaltungsbezirken (2009)
Anteil an der Bevölkerung** Anteil der
vollstation.
Dauerpflege
an den Pflegebedürftigen
insgesamt
Auslastung
der vollstation. Dauerpflege
Region insgesamt im Alter
von 65
und mehr
Jahren
im Alter
von 75
und mehr
Jahren
im Alter
von 85
und mehr
Jahren
Darmstadt, St. 2,7 % 12,0 % 22,2 % 41,5 % 30,8 % 88,0 %
Frankfurt am Main, St. 2,5 % 11,6 % 21,0 % 36,4 % 22,8 % 86,5 %
Offenbach am Main, St. 2,6 % 11,3 % 20,9 % 39,5 % 16,9 % 97,2 %
Wiesbaden, St. 2,5 % 10,6 % 20,0 % 38,5 % 29,5 % 95,8 %
Bergstraße 3,3 % 13,2 % 25,5 % 49,8 % 25,4 % 85,7 %
Darmstadt-Dieburg 2,3 % 9,9 % 20,3 % 41,8 % 18,8 % 90,4 %
Groß-Gerau 2,6 % 11,4 % 22,4 % 47,1 % 23,9 % 85,6 %
Hochtaunuskreis 2,8 % 11,2 % 22,1 % 42,5 % 30,5 % 87,4 %
Main-Kinzig-Kreis 3,1 % 12,5 % 23,8 % 46,3 % 23,8 % 90,4 %
Main-Taunus-Kreis 2,2 % 8,7 % 17,6 % 36,7 % 20,5 % 80,7 %
Odenwaldkreis 3,4 % 13,6 % 24,3 % 44,5 % 33,3 % 88,4 %
Offenbach 2,4 % 9,9 % 19,5 % 41,2 % 20,8 % 87,6 %
Rheingau-Taunus-Kreis 2,6 % 10,8 % 21,7 % 42,7 % 27,7 % 92,6 %
Wetteraukreis 3,1 % 13,0 % 24,5 % 45,3 % 26,8 % 89,2 %
Reg.-Bez. Darmstadt 2,7 % 11,4 % 21,8 % 41,9 % 24,7 % 88,5 %
Gießen 3,1 % 13,4 % 24,4 % 46,2 % 23,3 % 88,8 %
Lahn-Dill-Kreis 3,5 % 13,8 % 25,0 % 46,0 % 23,5 % 88,7 %
Limburg-Weilburg 3,4 % 14,5 % 26,7 % 50,4 % 19,9 % 90,8 %
Marburg-Biedenkopf 3,4 % 15,1 % 27,2 % 52,2 % 22,1 % 86,2 %
Vogelsbergkreis 4,1 % 15,2 % 25,5 % 47,2 % 20,1 % 84,1 %
Reg.-Bez. Gießen 3,4 % 14,3 % 25,7 % 48,3 % 22,1 % 87,8 %
Kassel, St. 3,9 % 15,6 % 26,9 % 46,0 % 23,6 % 91,0 %
Fulda 3,7 % 15,2 % 27,5 % 54,2 % 24,7 % 84,7 %
Hersfeld-Rotenburg 4,3 % 15,7 % 27,8 %

49,3 %

17,1 % 92,5 %
Kassel 3,8 % 14,2 % 27,4 % 53,3 % 25,5 % 86,2 %
Schwalm-Eder-Kreis 4,4 % 16,8 % 30,3 % 57,1 % 24,5 % 87,4 %
Waldeck-Frankenberg 3,5 % 13,3 % 23,9 % 45,4 % 30,8 % 78,9 %
Werra-Meißner-Kreis 4,9 % 17,6 % 30,8 % 56,1 % 24,0 % 88,5 %
Reg.-Bez. Kassel 4,0 % 15,3 % 27,7 % 51,4 % 24,5 % 86,3 %
Land Hessen 3,1 % 12,7 % 23,8 % 45,2 % 24,1 % 87,8 %

* am 15. Dezember des Jahres ** am 31. Dezember des Jahres Quelle: Hessisches Statis tisches Landesamt, Hessen Agentur.


Den höchsten Anteil ambulanter Pflegedienste an den Pflegebedürftigen weist die Stadt Kassel auf, den niedrigsten Anteil der Kreis Waldeck-Frankenberg. Der Anteil mit Pflegegeldbezug an den Pflegebedürftigen ist im Kreis Hersfeld-Rotenburg besonders hoch und in der Stadt Darmstadt hingegen gering. Die ambulanten Pflegedienste bzw. deren Personal betreuten im Jahr 2009 knapp 22 % aller einschlägigen Leistungsempfängerinnen und Leistungsempfängern in Hessen.

 

Die stationären Heime pflegten im selben Jahr nahezu ein weiteres Viertel aller bedürftigen Personen (über 46.000 Leistungsempfänger). Dabei handelte es sich überwiegend um Fälle in vollstationärer Dauerpflege (24 % aller Leistungsempfängerinnen und Leistungsempfängern) und bei nur knapp 1.300 Personen um Kurzzeitpflege.5 Dabei hat für die weiblichen Pflegebedürftigen die stationäre Pflege eine höhere Bedeutung. Dies ist ein Indiz dafür, dass pflegebedürftige Männer häufig zu Hause betreut werden.

 

Abb. 119_ Verteilung der Leistungsempfänger_innen in Hessen nach Art der Leistungen (2009)
* am 15. Dezember des Jahres ** am 31. Dezember des Jahres Ohne Empfänger/innen von Pflegegeld, die zusätzlich auch ambulante Pflege erhalten und dort bereits be-rücksichtigt sind.

Weitere 54 % bzw. rund 101.000 Pflegebedürftige – also der überwiegende Teil – sind zu den beziehenden Personen von Pflegegeld zu zählen, die im Jahr 2009 durch Angehörige zu Hause versorgt wurden. Damit wurden 2009 durch Angehörige und ambulante Dienste zusammen drei Viertel aller hessenweit pflegebedürftigen Personen zu Hause versorgt. (Bevölkerungsentwicklung). (Abb. 119), (Abb. 120)

* am 15.12. bzw. 31.12. (Pflegegeld); Ohne Empfänger/innen von Pflegegeld, die zusätzlich ambulante Pflege erhalten und bereits berücksichtigt sind. Quelle: Hessisches Statistisches Landesamt, Hessen Agentur.

 

 


  1. Vgl. Statistische Ämter des Bundes und der Länder (Hrsg.) (2010) Demografischer Wandel in Deutschland Auswirkungen auf Krankenhausbehandlungen und Pflegebedürftige im Bund und in den Ländern, H. 2, Wiesbaden, S. 25.
  2. Vgl. zur regionalen Pflegebedürftigkeit in Hessen auch Frings,K., Herdt, J. (2009): Entwicklung der Pflegebedürftigkeit in Hessen – Regionalisierte Auswertung der Pflegestatistik 2001 bis 2007 / Künftige Entwicklung der Pflegebedürftigkeit bis zu den Jahren 2030 und 2050, HA-Report Nr. 756, Wiesbaden.
  3. Empfangende Personen von Tages- bzw. Nachtpflege (teilstationärer Pflege) erhalten in der Regel auch Pflegegeld oder ambulante Pflege und sind darüber erfasst.

 

 

 


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